Es regnet, der nordische Herbst zeigt sich von seiner besten Seite. Ich sitze in meinem WG Zimmer in Kiel, komme eben aus der Hochschule wieder, wo wir heute unseren ersten normalen Studientag hatten. Nun geht es endlich los. Ich bin immer noch in der zähen Eingewöhungsphase, versuche mich während des Tages auf mein Zimmer in der WG zufreuen, aber dort fühle ich ich einfach nicht so richtig wohl. Ich hoffe inständig, dass ich bald etwas passendes finde. Zum glück habe ich noch Zeit. Der Tag ging eigentlich ganz gut los, bis auf diese unangenehme Busfahrt. In dem kleinen Bus fahren einfach zu viele Leute. Zum Schluss kam ich aber noch ins Gespräch mit zwei Kommilitonen die plötzlich in meiner Reichweite waren, das war ganz angenehm. Um 10 Uhr gab es die erste Vorlesung zum Thema „wissenschaftliches Arbeiten“ in der uns die feinen Unterschiede zwischen wissenschaftlich anerkannten Texten und persönlich, frei formulierten texten erklärt wurde. Mich beschäftigte aber die kleine, fiese Hautirritation neben meiner Nase, auf der ich später auch noch dezent hingewiesen wurde. Mit so einer Unreinheit kann man bei den Kommilitonen nicht wirklich punkten. Egal. Anschließend bewegten wir uns in die Mensa, aber das Angebot ist zum einen minimal und zum anderen schmeckt es kaum. Aber für 1,90€ bekommt man meistens irgendetwas mit Fleisch und dazu Reis, Kartoffeln oder Pommes. Wer Gemüse haben will zahlt noch mal 50 Cent mehr. So ein Döner kann da locker mit halten.
Es folgten angenehme Vorlesungen zum Thema Gestaltung und Audiovisuelle Medien. Ich frage mich, ob der Studiengang wirklich zu mir passt. Im Fach Gestaltung lebe ich auf jeden Fall auf, und auch in den Technischen Vorlesungen gefallen mir die Inhalte, aber alles wird irgendwie nur angekratzt und nicht wirklich vertieft. Ich zweifle an einer fundierten Ausbildung mit sehr guter Jobgarantie. Ich nahm mir vor, mich mal bei der HDM in Stuttgart nach Studiengängen zu informieren. Der erste Blick in das Vorlesungsverzeichnis offenbarte attraktive Studiengänge. Ich werde mich zum SS mal um einen Studienplatz bewerben.
Eben darum, weil ich es nur schwer aushalten kann, so weit von K entfernt zu sein. Am WE war ich bei ihr und es war wie am ersten Tag, einfach traumhaft. Ich fühlte mich so wohl. Allein schon als ich die ersten lokalen Kennzeichen auf der BAB sah freute ich mich. Auch die abwechslungsreiche Landschaft mit den vielen Tälern und Bergen, die kleinen Orte die sich daran anschmiegen erfreuen mein Herz. K holte mich vom Bhf ab und wir schlenderten durch das nächtliche ES nach Hause. Ich genoss es sehr. Die erste Nacht nach zwei Wochen mit K war sehr schön, so gut habe ich die letzten 14 Tage nicht geschlafen, ein Traum! Der SA verwöhnte uns mit Bilderbuchwetter, 25°C und blauen Himmel. Ich spielte mit der kleinen B auf der Wiese während K ihr sauer verdientes Geld bei den Markthändlern mit frischen, leckeren Waren tauschte. Um halb eins zogen wir los durch pittoresken Weinberge und ließen dicke, lila farbene Trauben in unseren Gaumen fallen, natürlich nur die abgeschnittenen. Wir wanderten fast vier Stunden um das Tal durch Uhlbach zurück nach ES. Pünktlich zur Rückkehr kamen Steffen und Heike in ES an. Wir zeigten ihnen die Schokoladenseiten der Stadt, stärkten uns zu Hause und gingen dann beim Griechen was speisen. Später kehrten wir noch ins Siggi ein. Für mich war es ein schöner Abend mit meiner Liebsten und umgänglichen Gästen. Aber wie gesagt, diese Distanz von 750 km zu K sind nicht angenehm. Ich denke oft an unsere erste Zeit in Rostock zurück. Die damaligen Empfindungen in der Fernbeziehung kommen nun fast alle wieder hoch. Es ist zwar auszuhalten, aber stimmt mich trotzdem traurig. Ich hoffe sehr, dass dies bald zu Ende ist und ich vielleicht in Stuttgart weiter studieren kann, dass wäre perfekt, einen Nebenjob hätte ich da auch. Na ja, bis dahin versuche ich das beste aus der Situation zu machen. Zum glück habe ich schon ein paar Leute kennen gelernt und Simon (MFG), fährt auch regelmäßig runter und kann mich mitnehmen. So schlimm ist das alles nicht, aber es wäre unendlich schön wenn ich dort studieren könnte, und mit K gemeinsam den Abend, die Nacht und die WE verbringen könnte.
Es ist jetzt 18:49 Uhr, ich habe Hunger, vielleicht mache ich mir eine Suppe, irgendetwas warmes um mich aufzuwärmen. Aber ich denke, ich werde versuchen Geld zu sparen. Ich gehe morgen einkaufen, und zum Frisör..





